Was ist der Objektivismus?

Der Objektivismus ist eine Alternative zu „rechten“ und „linken“ Weltanschauungen – und eine Alternative zur modernen Philosophie. In der folgenden Einführung erläutert der amerikanische Philosoph Craig Biddle den Objektivismus von Ayn Rand in seinen Grundzügen. Über eine Philosophie für das Leben auf Erden…

Von Craig Biddle

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Zwei Gedichtlein

Habe ich mir ausgedacht, weil… ich eine Inspiration von Gott erhielt. Na gut, nicht wirklich.

Aufklärung

Wenn nicht mehr Vorschrift und Verhaltenskorrekturen
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die mit Geist, nicht länger selten,
Mehr als die Mystiker gelten,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man mit Machen und mit Denken
Sein Schicksal einst wird lenken,
Und nicht mehr mit Akzeptanz
Von Lug und Trug und Firlefanz
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

(Andreas Müller, Frei nach Novalis)

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, oh, Nachhaltigkeit.
Wir sind stets bereit,
Nachhaltigkeit,
nachhaltig zu sein.
Weil die Toten und die Ungeborenen
Wirklicher sind als die Lebenden
Und die Welt gehört nicht länger den Lebenden
sondern den Nachhaltigen.

Was ist Wissenschaftsphilosophie?

Mir ist gerade eingefallen, wie man Wissenschaftsphilosophie definieren könnte:

„Wissenschaftsphilosophie ist die Aktivität, die richtige Art und Weise herauszufinden, wie man Wissenschaft betreibt.“

Die Definition müsste alles umfassen, was Wissenschaftsphilosophie ausmacht, ohne darüber hinauszugehen. Mir ist außerdem eine gute Definition von „Naturwissenschaft“ selbst eingefallen:

„Die Naturwissenschaft befasst sich damit, die Tatsachen der Realität herauszufinden, die der unmittelbaren Sinneswahrnehmung nicht zugänglich sind.“

Die Philosophie generell ist u.a. für die Erkenntnis der Tatsachen zuständig, die der unmittelbaren Sinneswahrnehmung zugänglich sind.

(Wenn Sie übrigens glauben, „Klar dient die Naturwissenschaft dazu“, so informiere ich sie hiermit davon, dass diese realistische Auffassung der Aufgabe der Wissenschaften in der modernen Philosophie heute eine Minderheitenposition darstellt. Andererseits stimme ich Ihnen zu: Klar tut sie das und moderne Philosophen sollten sich schämen, es anders zu sehen.)

Wenn man also Physik betreibt, dann untersucht man die physische Realität, indem man Experimente entwirft und durchführt, Messungen durchführt, Theorien formuliert und überprüft.

Wenn man Philosophie der Physik betreibt, dann fragt man, „Was ist die physische Realität?“, „Wie gelangt man grundsätzlich an Erkenntnisse über die physische Realität (und ist das überhaupt möglich?), „Wie bestätigen oder widerlegen experimentelle Ergebnisse eine Hypothese?“ oder „Was unterscheidet eine gute wissenschaftliche Theorie von einer schlechten?“

Die Wissenschaftsphilosophie befasst sich also mit den konzeptuellen Voraussetzungen der Wissenschaften, ohne selbst Wissenschaft zu betreiben.

Ich mache gerade ein Online-Philosophieseminar an der Universität von Edinburgh. Dort wird Philosophie als „die Aktivität, die richtige Weise herauszufinden, wie man über Dinge nachdenkt“ definiert. Ich habe das spontan für eine gute Definition gehalten, aber nach näherer Überlegung stimmt das höchstens für Teilbereiche der Epistemologie. Schließlich befasst sich Philosophie auch mit der Frage nach dem guten Leben (Ethik), dem besten Gesellschaftssystem (Politik) und der Natur des Seins (Metayphysik). Die Epistemologie fragt außerdem nach den Bedingungen des Wissens, was Wissen ist, ob es Wissen überhaupt gibt. Wie man über Dinge nachdenkt ist nur ein Teil der Philosophie und insofern keine gute Definition.

Die Tim-Hunt-Affäre

Tja, da versucht man entgegenkommend zu sein und sagt, dass die feministische Seite auch mit etwas recht haben könnte, dass die säkular-humanistische Autorin Ophelia Benson eine ernsthafte Intellektuelle wäre – und dann stellt sich heraus, dass sie völlig verrückt ist und dass die Feministen immer mehr harmlosen Zeitgenossen ihren Job kosten, weil sie irgendwas „Sexistisches“ gesagt haben sollen. Darunter nun der Biochemiker Tim Hunt. Weiterlesen

Memetik

Ich habe jüngst für das Magazin NovoArgumente diverse „Meme“ angefertigt, wie ich sie in Anlehnung an Dawkins Memetik nenne. Das sind einprägsame Bilder mit markanten Worten, die, in diesem Fall, freiheitliche Ideen verbreiten sollen (ja, ich weiß, es gibt auch Leute, die nur alberne Bilder als „Meme“ akzeptieren, auf denen Schauspieler Sprüche untergeschoben werden, etc. Wie auch immer). Die Idee ist, dass die Leute die auf den Bildern ausgedrückten Gedanken so inspirierend finden wie wir (die Redaktion) und dann die Bilder in den sozialen Medien teilen. So verbreiten sich langsam Freiheit, Vernunft und Fortschritt im Land. Für irgendwas müssen Facebook und Twitter schließlich gut sein. Die Meme wurden bislang auch gut aufgenommen.

Hier möchte ich die m.E. bislang besten Meme ausstellen, damit man sie sich mal zusammen betrachten kann: Weiterlesen

Ich bin noch da

"Ich werde das Rad nicht anhalten. Ich werde das Rad zerbrechen." (Daenerys Targaryen)

„Ich werde das Rad nicht anhalten. Ich werde das Rad zerbrechen.“ (Daenerys Targaryen)

Ja, ich sage auch mal wieder was. Im Grunde sage ich auf Facebook und Twitter ziemlich viel, aber hier sage ich ziemlich wenig. Also, Stand der Dinge:

1. Die Übersetzung von „Was ist der Objektivismus?“ von Craig Biddle ist etwa zur Hälfte fertig, erscheint bald hier.

2. Das Philosophie-Seminar „Die Politik von Aristoteles und Ayn Rand“ ist ebenso etwa zur Hälfte fertig und findet dann auf Edudip statt.

3. Zum neuen Jurassic-Park-Film werde ich vielleicht eine Rezension schreiben mit dem Titel „Als die Dinosaurier die Vernunft fraßen“ oder so ähnlich. Jurassic World enthält einige der einflussreichsten öko-linken Ideen unserer Zeit und das Ergebnis ist folglich ein geradezu unerträglicher Haufen Schwachsinn – also im Grunde dasselbe wie die Realität, nur mit coolen Dinos drin! Ich bin trotzdem weiterhin Jurassic-Park-Fan, weil die Idee, einen solchen Park zu bauen, einfach grandios ist – auch wenn die Filme den Großteil der Spielzeit damit verbringen, das zu bezweifeln.

4. Ich habe auf Facebook einen meiner spontanen Wutanfälle als Reaktion auf die Öko-Enzyklika des Papstes veröffentlicht. Ich möchte mich dafür entschuldigen – also dafür, ihn nicht gleich auch hier veröffentlicht zu haben.

Hier ist er:

Die neue Öko-Enzyklika des Papstes

Die Öko-Ideologie steht dem Papst gut. Als die Kirche das Sagen hatte, waren die Menschen bettelarm, der technische Fortschritt gleich Null, kaum jemand konnte lesen, die Lebenserwartung betrug zwischen 20 und 30 Jahren – und wir haben im Einklang mit der Natur gelebt!

Wir haben die Erde im Mittelalter nicht ausgebeutet, sondern nur ökologische Landwirtschaft betrieben, und nur wenig davon. Zum Sündigen hatte auch kaum jemand Zeit, weil fast jeder zwölf Stunden am Tag auf dem Feld ackerte oder mit dem Erfrieren oder Verhungern oder von wilden Tieren überfallen werden beschäftigt war.

Die öko-linke Tagesschau findet die Enzyklika super, in der sich der Papst für die ökologisch-sozialistische Wende stark macht. Nur konservative Katholiken in den USA könnten demnach ein Problem mit der Enzyklika haben, weil die oft den „Klimawandel leugnen“. Alle anderen Menschen sind aus der Sicht des öffentlich-rechtlichen Elfenbeinturms genauso moralisch verdorbene, nihilistisch-zynische Menschenhasser wie ARD/ZDF und der Papst.

Wären die Öffentlich-Rechtlichen ein Delfin, würde ich ihn jetzt erwürgen für diesen dreisten Mangel an Ausgewogenheit.

Herrschaft des Gesetzes

NovoArgumente: Aristoteles über Gesetze

Der griechische Philosoph Aristoteles sagte: „Es ist vorzuziehen, dass eher das Gesetz herrscht als irgendein Bürger.“ Der Gedanke wurde später von den amerikanischen Gründungsvätern umgesetzt. Der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, John Adams (1735-1826), brachte den Anspruch mit den Worten auf den Punkt, die US-Verfassung solle eine „Regierung der Gesetze und nicht der Menschen“ etablieren. Aktuell gibt es in der sehr intelligenten US-Fernsehserie Game of Thrones einen wichtigen Bezug dazu… Weiterlesen

Privatisierung der Straßen

Es gibt unter Befürwortern des Laissez-faire-Kapitalismus eine Diskussion darüber, wie man eigentlich Straßen privatisieren könnte. Die meisten Ansätze lösen das Problem nicht, dass Straßen natürliche Monopole sind. Das heißt, dass Privateigentümer eben nicht überall Straßen bauen können, die miteinander im Wettbewerb stehen, und die Konsumenten suchen sich die besten Straßen aus. Es gibt an den allermeisten Orten keinen Platz und auch keine Nachfrage für konkurrierende Straßen. Es gibt eine gewisse Konkurrenz zu alternativen Verkehrswegen wie Luft und Wasser, aber das sind häufig keine ernsthaften Alternativen. Der Ökonom Ulrich Berger hat mich darauf hingewiesen und manchmal kann man ihn leider nicht ganz ignorieren. Weiterlesen

Cist euch selbst!

Wie es aussieht, bin ich ein „Cis-Gender“ und kann darum keine Leute beurteilen, die „Trans-Gender“ sind. Und ich dachte immer, ein ausgebildeter, rationaler Geist wäre die Grundlage für vernünftiges Urteilen und nicht die sexuelle Ausrichtung und geschlechtliche Selbstidentifikation. Ein Physiker sowie eine Physikerin (oder ein Trans-Physikum) können physische Phänomene besser berechnen als Leute, die keine Ahnung von Physik haben – aber nicht aufgrund ihres Geschlechts. Weiterlesen

Öko-Ideologie nicht modernisierbar

Aktuell ist bei NovoArgumente der Artikel „Der Ökologismus ist nicht modernisierbar“ von Peter Heller zu lesen. Der Autor kritisiert die sogenannten „Ökomodernisten“ und ihr Manifest. Die Ökomodernisten glauben, dass durch effizientere Landwirtschaft und neue Technik mehr Platz für die Wildnis frei wird. Ihr Ziel ist also weiterhin dasselbe wie das der übrigen Öko-Bewegung: Natur- statt Kulturlandschaft, Wildnis statt Zivilisation, unveränderte Natur als Selbstzweck. Ich stimme mit dem Artikel überein und empfehle ihn hiermit.

Novo_Mem_Natur

Argumente gegen Homo-Ehe?

Homosexuelle können ernsthafte Beziehungen führen und sie können auch gute Eltern sein. Das Thema "Homo-Ehe" ist allerdings ein äußerst schwieriges rechtsphilosophisches Thema, das sich nicht darauf reduzieren lässt (Bild: morguefile.com, Lizenz: M)

Homosexuelle können ernsthafte Beziehungen führen und sie können auch gute Eltern sein. Das Thema „Homo-Ehe“ ist allerdings ein schwieriges rechtsphilosophisches Thema, das sich nicht darauf reduzieren lässt (Bild: morguefile.com, Lizenz: M)

Das war es dann wohl mit der Ausgewogenheit der Massenmedien, ihrem Auftrag, die gesellschaftliche Kommunikation geordnet zu ermöglichen, anstatt sie zu steuern oder zu fabrizieren – und somit mit ihrer Daseinsberechtigung. Wer „Argumente gegen Homo-Ehe“ oder etwas ähnliches googelt, findet nur Artikel wie „Argumente gegen Homo-Ehe sind lachhaft“ und „Dreyer sieht keine Argumente gegen Homo-Ehe“ sowie sarkastische Vermutungen von Homo-Ehe-Befürwortern, wie solche Argumente wohl aussehen können (Gegner sollen irgendwie zurückgeblieben oder böse sein oder ihre eigene Homosexualität unterdrücken). Dann gibt es ein paar selbst-zensierte Forendiskussionen und das war es. Die Debatte über die Homo-Ehe ist eine Debatte von einer Seite mit sich selbst, über sich selbst und gegen eine weitgehend fiktive Gegenseite, die als Strohmann dient. Siehe dazu auch „Der Aufstieg einer neuen Orthodoxie“ von Brendan O’Neill bei NovoArgumente.

Ich werde als kleiner Philosophie-Blogger die Aufgabe der Massenmedien übernehmen, auf möglichst fundierte Art die anderswo ausgeblendete ernsthafte Gegenseite (also nicht die religiöse oder homophobe Seite) zu Wort kommen zu lassen. Ich werde Argumente anführen, die gegen die Homo-Ehe genannt werden, ohne dabei selbst eine abschließende Position zu beziehen. Und ich werde das Thema hier zur ernsthaften Diskussion stellen. Weiterlesen

Neue Kooperation

TOS Cover AristotleFür meine Leser und für die Teilnehmer an meinen Philosophie-Seminaren habe ich eine neue Kooperation organisiert. Konkret geht es um eine Zusammenarbeit zwischen dem hiesigen Feuerbringer-Magazin und mir selbst als Autor mit dem amerikanischen Magazin The Objective Standard. Das TOS ist ein journalistisches Kultur- und Politikmagazin, dessen leitende Philosophie der Objektivismus von Ayn Rand ist. Chefredakteur ist der Moralphilosoph Craig Biddle. Mit „Das Übel der Islam-Verharmlosung“ durfte ich bereits einen seiner Artikel übersetzen und hier veröffentlichen.

Abgesehen von der konservativen Zeitschrift National Review ist The Objective Standard die einzige Publikation in den Vereinigten Staaten, welche die Mohammed-Karikatur von Bosch Fawstin abgedruckt hat, für die Islamisten den Zeichner in Texas ermorden wollten. Ich habe sie hier veröffentlicht und über den Anschlag geschrieben, um später verwundert festzustellen, dass sie ungewöhnlich oft aufgerufen wurde. Ich hatte mich gefragt, warum. Nun, offenbar wurde sie selbst im Internet und selbst in den USA nur selten publiziert. Das ist verdammt feige – vor allem von großen Medien, die nicht weniger existenziell von der Meinungsfreiheit abhängig sind als kleine Publizisten. Wir halten in einem ziemlich wörtlichen Sinne für euch den Kopf hin.

Die Kooperation ist besonders praktisch, weil TOS auch allgemein verständliche Grundlagenartikel über den Objektivismus anbietet, die ich deutschen Lesern zugänglich machen möchte. Craig Biddle hat mich außerdem eingeladen, selbst für TOS zu schreiben. Es würde mich interessieren, Artikel zu welchen Themen ihr euch von mir wünschen würdet, sei es für NovoArgumente oder für TOS?

Schließlich ist das Cover mit Aristoteles auch ein Teaser für mein nächstes Webinar. Da geht es dann um die Politik von Aristoteles im Vergleich zur objektivistischen Politik. Ich habe die erste Hälfte fertig, dauert also noch ein wenig.

Schmidt-Salomon vs. Andreas Müller

Freedombringer Cup (Bild: Andreas Müller)

Gönnt euch ruhig eine Tasse Kaffee – die Lektüre der neuen Debatte zwischen den beiden Philosophen Michael Schmidt-Salomon  und Andreas Müller kann eine Weile dauern (Bild: AM)

Der hiesige Kommentarbereich wird bei längeren Diskussionen unübersichtlich. Bei meiner Debatte mit dem Ökonomen Ulrich Berger haben mich einige Leser daher gebeten, den Austausch in einen gesonderten Beitrag zu kopieren. Das habe ich damals leider versäumt. Dafür möchte ich nun die aktuelle Debatte zwischen Michael Schmidt-Salomon (Buchautor, Philosoph, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung) und mir (dasselbe ohne Vorstandssprecher, außerdem Redakteur) der letzten Tage hier übersichtlich in diesem Beitrag unterbringen. Am Ende folgt eine neue Replik von mir – u.a. über die quasi-religiöse Pflichtethik des Evolutionären Humanismus.  Weiterlesen

Schmidt-Salomon hat Singer nie verstanden

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Philosophie – wer braucht sie? Ich glaube, ich kenne da jemanden… (Cover von Ayn Rand: Philosophy. Who needs it)

Michael Schmidt-Salomon von der Giordano Bruno Stiftung hat Peter Singers Philosophie nie verstanden. Das ist spätestens jetzt deutlich geworden, als er seine geplante Laudatio für den australischen Philosophen bei der Verleihung eines Tierschutzpreises abgesagt hat. Weiterlesen