Warum sollte uns das interessieren?

Ich bin einigermaßen perplex wegen mancher Kommentare zum Beitrag Das weichgekochte Anliegen. Warum sollte uns die Welt um uns herum interessieren? Und warum sollten wir nicht einfach fantasieren, worum es bei Themen wie Feminismus und Tierrechte geht und was da politisch gefordert wird? Warum sollen wir nicht einfach schlechte radikale Ideen in etwas anderes, Harmloses übersetzen? Nur, weil es für manche interessant ist, weil es nett ist, darüber zu plaudern?

Nein. Weil es unser Leben betrifft. Weil wir in einer Demokratie leben. Continue reading

Das weichgekochte Anliegen

Während es zwar einige echte Ideologen und Intellektuelle da draußen gibt, denen bestimmte Anliegen und Ideen am Herzen liegen – wie mir zum Beispiel -, so gibt es noch viel mehr Leute, denen sie egal sind. Bei vielen Anliegen bekomme ich unweigerlich den Eindruck, dass sie nur darum so weit diskutiert werden, weil die Leute zufrieden sind und es nichts wirklich zu diskutieren gibt für sie – aber sie hätten gerne den Anschein eines bedeutungsvollen politischen Diskurses. Alleine schon, um die Unterhaltung am Frühstückstisch und am Stammtisch aufzuwerten. Continue reading

Meinen Kommentar zum geplanten Prostitutionsgesetz

…gibt es hier zu lesen: http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001671

Der Titel “Käuflicher Sex: Prostituierte gehören sich selbst” schließt an eine altehrwürdige Tradition an, die einst mit meiner Einführungsvorlesung über die objektivistische Philosophie ihren Anfang nahm:

Dein Leben gehört dir! Vortrag von Andreas Müller

In dem Kommentar ist ein Ayn-Rand-Zitat anzutreffen:

„Auf dem Weg zum Etatismus hat jede Einschränkung von Menschenrechten mit der Unterdrückung der am wenigsten attraktiven Ausübenden eines gegebenen Rechts begonnen.“

Dazu noch ein paar kurze Erläuterungen:

Mit der Attraktivität ist nicht die körperliche Attraktivität gemeint. Ayn Rand war kurz gesagt der Meinung, dass Promiskuität und Prostitution die Natur und Funktion der menschlichen Sexualität leugnen (Ethik, nicht Politik):

“Für einen rationalen Menschen ist Sex ein Ausdruck der Selbstachtung – eine Zelebrierung von ihm selbst und des Daseins. Für den Menschen ohne Selbstachtung ist Sex ein Versuch, diese vorzutäuschen, ihre vorübergehende Illusion herbeizuführen. Romantische Liebe ist im umfassenden Sinne des Begriffes ein Gefühl, das nur einem Mann (oder einer Frau) mit ungebrochener Selbstachtung möglich ist: Sie ist seine Antwort auf die eigenen höchsten Werte in der Person eines anderen – eine integrierte Antwort von Geist und Körper, von Liebe und sexuellem Verlangen. Ein solcher Mann (oder eine solche Frau) ist nicht in der Lage, sexuelles Verlangen von spirituellen Werten getrennt zu erleben.”

Siehe zum Thema Sex: http://aynrandlexicon.com/lexicon/sex.html

Der Objektivismus sieht allerdings nicht die Politik in der Rolle des Sittenwächters. Die Politik sorgt optimalerweise dafür, dass Menschen mit schlechten moralischen Entscheidungen (wie Prostitution) nur sich selbst schaden und nicht anderen Menschen. Die Moral oder Ethik befasst sich wiederum mit der Frage, wie man selbst ein gutes Leben führen kann. Kurz gesagt sollte man sich aus objektivistischer Sicht nicht prostituieren und auch nicht die Dienste von Prostituierten nutzen (Ethik), man sollte aber das uneingeschränkte Recht dazu haben, beides zu tun (Politik). Die Sexualmoral ist kurz gesagt keine Staatsaufgabe – aber darum ist sie noch lange nicht beliebig, von der Realität gelöst, willkürlich, subjektiv. Schlechte sexualethische Entscheidungen führen zu schlechten Folgen für einen individuellen Menschen selbst aufgrund der Regelhaftigkeit der Natur und somit des Menschen und menschlicher Interaktion. Nur geht das den Staat nichts an.

Interessanterweise hatten die beiden Satiriker Jonathan Swift und Alexander Pope aus dem 18. Jahrhundert eine weniger “traditionelle” Auffassung:

“Ein Mann, der eine schöne Frau bewundert, hat so wenig Grund, ihr Ehemann sein zu wollen, wie jemand, der die goldenen Äpfel der Hesperiden bewundert, einen Grund hat, der Drache sein zu wollen, der sie bewacht.”(Aus: Gedanken über die verschiedensten Gegenstände)

Die Abgrenzungs-Erklärung

Eine der für mich weniger überzeugenden Erklärungen für den Antisemitismus ist die Erklärung, dass sich Juden häufig in der Geschichte von der Mehrheitsgesellschaft abgegrenzt haben oder von dieser abgegrenzt wurden. Dadurch haben sie Misstrauen hervorgerufen. Die Leute wussten nicht so genau, ob “diesen Leuten” zu trauen ist. Sie haben ja andere Sitten, andere Traditionen, eine vielleicht andere Moral. Das mag ja bis zu einem gewissen Grad an vielen Orten und Zeiten in der Geschichte ein Faktor gewesen sein. Ich kann gut nachvollziehen, wie schief man als Unangepasster angeschaut wird. Und doch besteht ein großer Unterschied zwischen dem Schief-angeschaut-werden und Ziel von wilden Gerüchten sein und Hass bis zur physischen Auslöschung einer Menschengruppe. Continue reading

Ist es dann nicht egal, wenn ein paar Leute sterben?

“Wenn du davon überzeugt bist, dass die Menschheit durch die Gier der Unternehmen in den Abgrund getrieben wird – ist es dann nicht egal, wenn beim Kampf gegen dieses System ein paar Leute sterben? Die Antwort darauf ist nicht einfach.” (Kelly Reichardt im Gespräch über ihren neuen Film “Night Moves” über Öko-Terroristen, die einen Staudamm sprengen wollen).

Unheimlich!

http://www.spiegel.de/kultur/kino/kelly-reichardt-ueber-night-moves-oeko-terrorismus-independent-filme-a-986301.html#ref=rss

Kein Widerspruch vom Spiegel. Keine kritische Nachfrage über Reichardts Ideologie. Im Gegenteil übernimmt der Spiegel Reichardts Bezeichnung des Öko-Terrorismus als “radikalen Aktivismus”. Das ganze Interview ist die reine Schleimerei, keine einzige kritische Frage.

Nun, die Antwort auf diese Frage von oben ist sehr einfach: Es ist überhaupt nicht egal, wenn ein paar Menschen im Kampf gegen den wirtschaftlichen Fortschritt sterben. Es wahnsinnig und es ist tragisch. Und an der Tatsache, dass solche Aussagen unwidersprochen vom größten deutschen Nachrichtenmagazin veröffentlicht werden, erkennt man, wie gefährlich die Öko-Ideologie schon geworden ist und wie weit so schon verbreitet ist. Im Kampf gegen Staudämme sterben, das muss man sich mal vorstellen! Als wären Staudämme faschistische Erschießungskommandos. Ohne Staudämme könnten wir Flüsse nicht für unsere Zwecke nutzen. Sie dienen zur Bewässerung, Stromerzeugung, Hochwasserschutz und für die Trinkwasserversorgung. Vielleicht braucht nicht jeder Trinkwasser.

Wer an Gegengift interessiert ist und Englisch spricht, dem empfehle ich das neue Gratis-Buch von Alex Epstein: Fossil Fuels Improve the Planet. Epstein ist ein amerikanischer Objektivist, der inzwischen PR für die Erdöl- und Kohleindustrie macht. Das Buch enthält Argumente für die Nutzung fossiler Brennstoffe und Gegenargumente gegen die Öko-Lobby.

Mysterium Antisemitismus

Die wahre Antifa (Quelle unbekannt)

Die wahre Antifa (Quelle unbekannt)

Laut der größten Studie zum Thema von der amerikanischen Anti Defamation League gibt es auf der Welt insgesamt rund 1,09 Milliarden Antisemiten. Derweil gibt es nur rund 15 Millionen Juden. Können die sich jetzt geschmeichelt fühlen angesichts der ganzen Aufmerksamkeit? Ich bin mir ziemlich sicher, dass es keine 1,09 Milliarden Menschen gibt, die deutsche Objektivisten hassen (oder wissen, was das ist). Wahrscheinlich gibt es keine. Da fühlt man sich richtig vernachlässigt.

Auf jeden Fall ist das ein Phänomen, das ich überhaupt nicht verstehe. Eine ganze Reihe irrationaler Wahnvorstellungen lassen sich philosophisch und psychologisch entschlüsseln, aber keine angebotene Erklärung scheint dem Antisemitismus wirklich gerecht zu werden. Wäre der Antisemitismus eine regionale Spinnerei, die für ein paar Jahre anhält, könnte man sie erklären. Aber eine weltumfassende, Jahrtausende überstehende Totalspinnerei erfordert eine außergewöhnliche Erklärung. Meine Erklärung ist eine weltumfassende, Jahrtausende überstehende Totaldummheit. Man könnte auch den Judenhass zerlegen in zeitlich und räumlich begrenzte Varianten und diese dann erklären. Aber das ändert nichts daran, dass es da einen Hass gibt, der sich seit Ewigkeiten gegen “die Juden” richtet. Continue reading

Nahost: Was ist die Ursache der einseitigen Berichterstattung?

“Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch, Professor an der Freien Universität Berlin, hat über sechs Tage lang 170 Nachrichtenüberschriften deutscher Medien analysiert und stellte dabei eine “systematische Asymmetrie in der Darstellung der Akteure” zu Ungunsten der israelischen Seite fest.” (siehe Welt)

“Israels Regierung beklagt die einseitige Berichterstattung über den Gaza-Krieg. Der Protest einer unabhängigen Journalistenvereinigung gegen Hamas-Methoden gibt dem Rückenwind.” (siehe Welt)

Wie kann das sein?

Stefanowitsch unterstellt den Redakteuren keine Absicht. Und die Artikel selbst seien ausgewogener. Allerdings lesen viele Menschen die Artikel gar nicht, sondern nur die Titel, sollte man ergänzen. Und durch die Titel bekommen sie einen völlig falschen Eindruck. Warum also diese Titel? Weil die Hamas Journalisten dazu zwingt, Israel schlecht zu schreiben? Warum wird dann Hamas-Propaganda in deutschen Medien veröffentlicht, ohne auf die Zensur durch die Hamas hinzuweisen? Müssen sich deutsche Journalisten ausländischen Tyrannen und Terroristen beugen und in ihrem Interesse schreiben? Oder machen sie das nur im Falle Israels? Und wenn sie die verzerrenden Titel zuungunsten Israels nicht “bewusst” so schreiben, so möchte ich gerne wissen, wie man bewusstlos und ohne zu denken Titel wählen kann. Das würde mir eine ganze Menge Zeit sparen.

Christ vs. Objektivist über Gottes Existenz

Falls Ihr euch spezifisch für die Argumente der objektivistischen Philosophie gegen Gott, Religion und Christentum interessiert, so bietet sich diese Debatte zwischen Dinesh D’Souza und Andrew Bernstein an:

Es ist doch mal erfrischend, jemanden sagen zu hören, dass er “mit absoluter Sicherheit” weiß, dass Gott nicht existiert (weil es logisch unmöglich ist). Davon abgesehen hat Bernstein einen witzigen Akzent. Alleine darum lohnt sich die Debatte schon. D’Souza ist mal wieder die Billige-Argumente-herausschreiende Nervensäge, die er in den Debatten mit Christopher Hitchens und den anderen Neuen Atheisten gewesen ist. Allerdings finde ich D’Souzas Doku über Barack Obama ziemlich gut. Übrigens: Die Debatte mit Peter Singer gehört zu den besten mit D’Souza. Würde Singer nur für den Atheismus argumentieren, wäre mir das lieber, als dass er für seinen Präferenz-Utilitarismus, Altruismus, Tierrechte, etc. argumentiert.

Ja, ist mal wieder Englisch. Aber was soll ich machen? Deutschland ist ein intellektuelles Brachland, in dem Debatten eines solchen Kalibers schlicht nicht stattfinden – schließlich lädt mich niemand dazu ein. Wenn ich nur wüsste, wie man das beheben könnte. Ich vermute, die Leute stolpern über diesen Blog, sehen “objektivistisch”, lesen im Netz was über diese böse Kapitalistin Ayn Rand und gehen wieder. Siehe zum Vergleich die Debattenkultur in den USA.

Das totale Lernen: Seminare

Bevor ich vergesse, wo mir der Kopf steht, möchte ich einige Bücher, Seminare an internationalen Unis, Hörbücher empfehlen oder manchmal auch davon abraten, die ich mir in den letzten Wochen angetan habe. Es ist immerhin bemerkenswert, wie viele Informationen man in seinen Kopf stecken kann, wenn man es darauf anlegt, jede freie Minute mit Lernen zu verbringen. Jetzt erst einmal die Seminare. Continue reading

Buch „Gedanken über die verschiedensten Gegenstände“ jetzt erhältlich!

Swift und Pope Buchcover kleinDas neue Buch von Michael Wollmann und Andreas Müller (also von mir) ist jetzt erhältlich. „Gedanken über die verschiedensten Gegenstände“ ist die neue deutsche Übersetzung der Aphorismen von Jonathan Swift („Gullivers Reisen“) und Alexander Pope („Der Lockenraub“). Das E-Book enthält außerdem ein Nachwort von Andreas Müller.

Klappentext

Jonathan Swift („Gullivers Reisen“) und Alexander Pope („Der Lockenraub“) verspotten in dieser Aphorismensammlung menschliche Unzulänglichkeiten. Von der Politik über die Religion bis hin zum schöneren Geschlecht ist den britischen Satirikern aus dem 18. Jahrhundert kein Gegenstand heilig. Neben dem geistreichen Witz entdeckt man ein tiefes Verständnis für die menschliche Natur in den Weisheitssprüchen der beiden Schriftsteller.

In dieser neuen Übersetzung für den Kindle machen der Philosoph Michael Wollmann („Tradierte Aberrationen“) und der Anglist Andreas Müller („Der Westen. Ein Nachruf“) die „verschiedensten Gedanken“ von Swift und Pope dem deutschsprachigen Leser unserer Zeit verständlich. Im Nachwort stellt Andreas Müller die beiden Schriftsteller vor, die „Seite an Seite, Hand in Hand hinunter bis zur Nachwelt wandern“ (Pope an Swift).

Seiten: 61

Preis: 99 Cent

Besten Dank an Sebastian Kupka für das Lektorat! Wieder eine unverzichtbare Leistung!

Zum Buch im Kindle-Shop

Die Paradoxa des Krieges

In meinem neuen Podcast werfe ich einen kritischen Blick auf die seltsame Kursankündigung von The Paradoxes of War der amerikanischen Princeton-Universität. Wo ich schon dabei bin, nörgle ich an den “Studies”-Fächern und an der Soziologie überhaupt herum. Und ich komme auf den Krieg zu sprechen, wozu er dient und wozu er nicht dient. Schließlich geht es um den alltäglichen Krieg an der Kasse vom Aldi.

Falls Ihr übrigens die Podcast-Player nicht sehen könnt, schlage ich vor, den Ad-Blocker für diese Website abzuschalten.

Gaza: Mehr Deutsche für Terroristen als für ihre Opfer

Die Deutschen haben abgestimmt. Leider. Mein Podcast zur aktuellen Umfrage über den Krieg in Gaza:

Diesmal mit einem vernünftigen Mikrofon aufgenommen.

Quelle der Umfrage: http://www.welt.de/politik/deutschland/article130999275/Deutsche-lehnen-Eingreifen-im-Gaza-Konflikt-ab.html