Polizei ist “überrascht” von antisemitischen Muslimen

Die Polizei ist offenbar überrascht: Bei Neonazi-Kundgebungen ist sie in der Regel ausreichend vorbereitet, um solche Parolen zu unterbinden. Bei den Anti-Israel-Kundgebungen war sie es nicht. (Süddeutsche Zeitung)

Muslime, die mit antisemitischen Parolen gegen Israel und Juden hetzen? Noch nie gehört! Es ist kein Wunder, dass die Polizei von diesem Phänomen überrascht wird, wenn man bedenkt, wie so ein Tag für einen Polizisten dieser Tage aussieht.

Als der Straßenpolizist Horst Seehügel eines Montag Morgens erwacht, scheint die Sonne auf sein Gesicht. Er ist zutiefst überrascht. “Da, was ist das! Das Licht!” Als seine Ehefrau erwacht, streichelt sie Horsts Arm, um ihn zu beruhigen. “Das ist doch nur die Sonne, Horst!” Doch Horst schüttelt ungläubig den Kopf. “Die Sonne! Hier! Am Morgen! Das hätte ich gar nicht erwartet! Und wer bist du überhaupt?” Horsts Frau seufzt. “Ich bin doch die Margarete, deine Frau.” Mit offenem Mund starrt Horst seine Frau an. “Das – ich bin verheiratet, das ist jetzt echt überraschend!”

Später in der Wache:

“Morgen, Horst! Hast du schon von dem türkischen Jugendlichen gehört, der diesen Rabbi…”, wird Horst von seinem Kollegen Frank begrüßt.

“Das war doch kein Türke, Frank!”

“Wieso? Klar war das ein Türke, ein muslimischer Türke. Deshalb hat er ja auch den Rabbi…”

“Das finde ich wirklich nicht in Ordnung, wie du von Minderheiten sprichst!” Horst schüttelt empört den Kopf.

“Wieso? Verstehe ich jetzt nicht.”

“Das hätte doch jeder sein können. In allen Gesellschaftsschichten gibt es Kriminelle.”

“Ja, gewiss, aber in diesem Fall hat er als seine Motivation für die Tat angegeben, dass…”

“Also, ich will das jetzt echt nicht mehr hören, Frank!”

Im Besprechungsraum:

“Also, ist das jetzt bei jedem angekommen? Ab jetzt sprechen wir unsere Kolleginnen gar nicht mehr an, weil das sexistisch ist”, stellt der Polizeikommissar fest.

“Selbstverständlich nicht!”, sagt Horst, den das überhaupt nicht überrascht.

“Und wenn ihr jemanden festnehmt, der aus rassistischen oder antisemitischen Gründen ein Verbrechen begangen hat, dann war das nur ein Verbrechen aus rassistischen oder antisemitischen Gründen, wenn es ein weißer, einheimischer Deutscher verbrochen hat. Weil Muslime aus der Türkei oder von anderswoher können ja nicht rassistisch oder antisemitisch sein, weil sie keine Deutschen sind. Und wenn jemand Volksverhetzung betreibt oder antisemitische Sprüche macht, dann ist er auch ein weißer Deutscher oder ihr ignoriert das einfach. Ihr wollt ja schließlich nicht selbst als Rassisten bezeichnet werden, oder? Alles klar?”

“Alles klar!”, bestätigt Horst.

(Siehe auch: Israel: Einführung)

Ein Maler wie Du und Ich

Frederic Leighton: Des Malers Flitterwochen (ca. 1864)

Frederic Leighton: Des Malers Flitterwochen (ca. 1864); Art Renewal Center

Auf Grundlage der Abwesenheit jeglicher Belege wird in unserer Zeit spekuliert, ob der Urheber dieses Gemäldes, Frederic Leighton (1830-96), vielleicht homosexuell war. Schließlich hat er nie geheiratet. Das Privat- und Intimleben großer Künstler ist ohnehin Gegenstand einer Reihe moderner literatur- und kunsthistorischer Arbeiten. Irgendwie muss man sie auf eine “normale” Ebene herunterzerren, irgendwie müssen sie wie der Bäcker an der Ecke oder der Straßenkehrer an der nächsten Kreuzung gewesen sein. Die waren doch alle verheiratet damals, das war doch normal! Das Großartige und Herausragende darf man nicht einfach so hinnehmen! Es darf nichts Besseres geben, wo doch alle Menschen gleich sind! Dass er Kunst gemacht hat, ist schlimm genug, aber dann soll er wenigstens verheiratet gewesen sein!

Leighton wurde nur mit glücklichen Genen geboren. Er hatte lediglich Glück, in einer geeigneten Umwelt aufzuwachsen, die ihn formte. Er war eigentlich auch nur ein Mensch wie Du und Ich – er hat eben gemalt, wie andere Enten kastrieren. Nein, er war noch schlimmer als wir. Er war irgendwie krank, irgendwie “schwul”, irgendwie zu besessen von seiner Kunst, dass er nie heiratete, er war gar kein normaler Mensch. Ein Freak, ein Soziopath, ein Verrückter. Künstler sind ohnehin Leute, die sich ihre Ohren abschneiden. Schaut man genauer hin, war er gar nicht wirklich gut. Dieser und jener Strich, der passt nicht richtig dorthin. Dieses Licht schimmert zu sehr, zu wenig. Das Gemälde ist zu genau, da kann man gleich ein Foto machen, wie es jeder kann.

Am Besten wir stellen das Bild irgendwo weg, wo es keiner sieht. In irgendeinen Lagerraum. Es ist viel zu undemokratisch. Und viel zu inkorrekt, die Menschen bekommen falsche Ideen. Liebe, Treue, dieser bürgerliche Unsinn. Es sollte freien Sex für jeden geben, wo wir doch alle gleich gut sind! Es gibt keine tiefen Verbindungen zwischen Menschen. Das Gemälde ist eine Lüge.

Vor Gott zu stehen und ihn zu leugnen - das ist es, was es bedeutet.

Debatten nur zum Schein

Allmählich kommt es mir so vor, als ob Argumente häufig dem Fehlschluss des Argumentum ad populum untergeordnet sind. Will heißen: Viele Menschen wiederholen eigentlich nur eine Meinung, die gerade in einer Gesellschaft oder in ihrer Gruppe populär ist und sie führen die dafür von der Gruppe genannten Argumente an, aber ohne, dass diese als Argumente für sie von Bedeutung wären. Argumente dienen also häufig nicht dazu, der Wahrheit auf die Spur zu kommen oder das zu vertreten, was man für wahr hält. Vielmehr drückt man mit Argumenten oft nur seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe aus. Andere Menschen antworten häufig auch nicht mit irgendeiner rational erwogenen Argumentation, sondern entweder stimmen sie mit weiteren Argumenten der Gruppe zu oder sie widersprechen mit Argumenten einer anderen Gruppe, der sie sich zugehörig fühlen.

Das heißt, sie durchdenken viele Themen nicht selbst und die Wahrheit ist ihnen auch gar nicht wichtig, sondern sie reden nur das, was die Leute so reden, um dazuzugehören. Das würde jedenfalls einiges erklären. Continue reading

Aus diesem Gemälde stammt sie

François Boucher: Landschaft mit Kirschpflückerin (1786, gemeinfrei)

François Boucher: Landschaft mit Kirschpflückerin (1786, gemeinfrei)

Das ist die Antwort auf die Frage aus dem letzten Blogeintrag, woher die abgebildete Frau kommt. Erraten kann man das natürlich nicht, man müsste es schon wissen. Wahrscheinlich wäre die Umfrage glücklicher verlaufen, hätte ich nach dem Urinal von Marcel Duchamp gefragt. Euer Kunstlehrer (der Mann, der Mingvasen am Pult festgenagelt hat) darf sich rühmen, wie sehr die Alten Meister schon in Vergessenheit geraten worden sind.

François Boucher (1703-1770) war ein französischer Maler, genauer Hofmaler von Ludwig XV. Die von einem Kommentator vorgeschlagene Postkartenillustration aus Wien entfällt somit.

Aus welchem Gemälde stammt sie?

Mysteriöse Dame (Bild: Andreas Müller)

Mysteriöse Dame (Bild: Andreas Müller)

Diese mysteriöse Dame habe ich aus einem meiner Lieblingsgemälde “hinausgezeichnet”. Sie sieht nicht ganz genauso aus wie das Vorbild, aber ist diesem nahe genug. Wie heißt das Gemälde und von wem stammt es? Mal sehen, wer sich etwas auf seine künstlerische Bildung einbilden kann…

Abstrakte Kunst versus Kunst

1. Abstrakte Kunst

„Raveel my guide - colorful abstract watercolor painting - artist Fons Heijnsbroek“ von FotoDutch - Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Zero, Public Domain Dedication über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Raveel_my_guide_-_colorful_abstract_watercolor_painting_-_artist_Fons_Heijnsbroek.jpg#mediaviewer/File:Raveel_my_guide_-_colorful_abstract_watercolor_painting_-_artist_Fons_Heijnsbroek.jpg.

„Raveel my guide – colorful abstract watercolor painting – artist Fons Heijnsbroek“ von FotoDutch – Eigenes Werk. Lizenziert unter Creative Commons Zero, Public Domain Dedication über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Raveel_my_guide_-_colorful_abstract_watercolor_painting_-_artist_Fons_Heijnsbroek.jpg#mediaviewer/File:Raveel_my_guide_-_colorful_abstract_watercolor_painting_-_artist_Fons_Heijnsbroek.jpg.

2. Echte Kunst

Johannes Vermeer: Diana und ihre Begleiterinnen (1632, gemeinfrei)

Johannes Vermeer: Diana und ihre Begleiterinnen (1632, gemeinfrei)

Sehen Sie den Unterschied? Viele Millionen Menschen sehen ihn nicht.

Siehe dazu den kunsttheoretischen Essay: Abstrakte Kunst ist nicht abstrakt und bestimmt keine Kunst (Englisch) vom amerikanischen Kunstsammler Fred Ross.

Bouguereau versus Cézanne

Ungefähr im Jahre 1910 hat die Entwicklung der Kunst aufgehört. Die Impressionisten hatten die Moderne eingeleitet. Die Wirkung der modernistischen Theorie auf die Kunstgeschichte ist etwa vergleichbar mit der Wirkung des Christentums auf die Kunst am Ende des Römischen Reiches. Man erkennt die Macht der Ideen – eine schlechte Philosophie hat dieselbe Wirkung auf eine Kultur wie ein Atomkrieg. Es ist so, als wären die großartigen Kunstfertigkeiten der Akademischen Klassizisten und der Realisten einfach verschwunden oder als hätte man sie einfach vergessen. Ähnlich wie man im christlichen Mittelalter die griechisch-römische Philosophie, Wissenschaft und Kunst einfach liegengelassen hat. Mit Absicht. Weil das Diesseits nicht zählte und man sich als guter Christ leidend auf das Nachleben vorbereiten sollte. Der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen Christentum und der Philosophie und Kunst der Moderne verbirgt sich eher in Details. Beide waren zerstörerische Kräfte.

Das Gemälde links stammt vom Realisten William Adolphe Bouguereau. Es handelt sich um eines seiner schlechteren Bilder (!). Rechts sehen Sie ein Gemälde mit ähnlichem Motiv vom Impressionisten Paul Cézanne.

Und jetzt stellen Sie sich das einmal vor: Die Kunst auf der rechten Seite hat die Kunst auf der linken Seite abgelöst! Das rechte Gemälde war die Zukunft der Kunst, die Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und die sich Anfang des 20. Jahrhunderts durchsetzte. Das linke Gemälde stellt die Vergangenheit dar. Urteilen Sie selbst.

William Adolphe Bouguereau: La Petite Esméralda 1874)

William Adolphe Bouguereau: La Petite Esméralda (1874)

Paul Cézanne:_L'Été (1860)

Paul Cézanne: L’Été (1860)

 

 

Klassizismus versus Impressionismus

KlassiziFrançois Gérard: Porträt von Julie Récamier, 1802 (Gemeinfrei)

François Gérard: Porträt von Julie Récamier, 1802 (Gemeinfrei)

Kritikern der Modernen Kunst wird gerne vorgehalten, dass man früher ja auch den Impressionismus (2. Hälfte des 19. Jhdts.) für eine Degeneration der Kunst hielt. Die Implikation ist, dass der Impressionismus heute schließlich als große Kunst gilt – die Kritiker sind also nur altmodisch und haben kein Verständnis für das Neue.

Nun, ich bin noch immer der Meinung, dass der Impressionismus eine Degeneration der Kunst war. Die Impressionisten haben sich von klaren Formen, Strichen und Konturen verabschiedet und wie Betrunkene gemalt. Im Gegensatz zu späteren Bewegungen kann man noch sehen, dass die Gemälde ein gewisses Können beherbergen und besser gemacht sein könnten, als sie es sind.

Sieht man sich das klassizistische Portrait oben an im Vergleich zur impressionistischen Variante (via Bildbearbeitung erzeugt) rechts, so meine ich, könnte man denselben Effekt erzielen, wenn man sich auf dem frisch gemalten klassizistischen Kunstwerk erleichtert.

Ayn Rand sprach von der “Albernheit der Punkte-und-Klatscher” der Impressionisten und warf ihnen vor, “die Wahrnehmung auf Sinnesempfindungen zu desintegrieren”.

Das hängt mit der Funktionsweise der Wahrnehmung zusammen:

1. Ein Stimulus trifft auf ein Sinnesorgan (z.B. Licht auf das Auge) = Sinnesempfindung. Dieser Vorgang läuft automatisch ab.

2. Eine Sinnesempfindung wird bewusst = Wahrnehmung. Dieser Vorgang läuft ebenso automatisch ab.

3. Fokussieren des Bewusstseins. Dieser Vorgang ist die erste freie Entscheidung des Menschen.

Die Impressionisten malen sozusagen wie Menschen, die sich nicht auf das konzentrieren, was sie wahrnehmen. Säuglinge nehmen die Welt so ähnlich wahr wie Impressionisten.

Die Anatomie des Joseph Beuys

Die Anatomie des Joseph Beuys (Bild: Andreas Müller)

Die Anatomie des Joseph Beuys (Bild: Andreas Müller)

Man erblicke meine neueste Zeichnung. Sie beruht auf “Die Anatomie des Dr. Tulp” von Rembrandt. Nur, dass Dr. Tulp hier eine Anatomie am modernen Künstlers Joseph Beuys durchführt. Dessen Aussehen habe ich von folgendem Poster abgeleitet: “Joseph-Beuys-Poster für eine Vortragstournee durch die USA: Energy Plan for the Western Man, 1974, organisiert von dem Galeristen Ronald Feldman, New York. Lizenz: CC BY-SA 3.0″ (Wikipedia). Den Hut durfte er aufbehalten.

Ich solls doch erklären: Joseph Beuys ist ein moderner Künstler, der mit Fettstuhl, Kistenstapeln und Kinderzeichnungen Millionen “verdient” hat. Und hier wird er von einem Alten Meister seziert.

Zur objektivistischen Ästhetik (Kunstphilosophie) siehe meinen Vortrag darüber.

Subtil, ich weiß

Moderne Kunst (Bild: Andreas Müller)

Keine Lust mehr auf nebulöse und zugleich wenig subtile Ankündigungen? Pech gehabt, hier ist noch eine.

Ich habe wohl eine gewisse Ähnlichkeit mit Detective Gamble aus der irrwitzigen Komödie Die etwas anderen Cops. Gamble hat Moderne Kunst studiert, nur um sich qualifizierter über Moderne Kunst lustig machen zu können. Ich tue nicht nur das, sondern lerne obendrein auch noch selber Malen, nur um mich qualifizierter über Moderne Kunst lustig machen zu können.

Die letzte nebulöse Ankündigung bezog sich auf ein neues Kooperationsprojekt von mir mit einer weitaus größeren Autorität auf dem Gebiet – sowohl auf dem Gebiet der Kunst als auch auf dem Gebiet “Sich über Moderne Kunst lustig machen”. Man darf gespannt sein. Ist allerdings eine Unmenge Arbeit, darum kann das noch eine Weile dauern.

Ergänzung: Leute, ich weiß, dass das Bild oben keine Glanzleistung ist, das habe ich schnell als Illustration für diesen Beitrag gemalt. Es ist eines der ersten Bilder, das ich 1. mit einem Grafiktablett gezeichnet habe, mit dem man nicht direkt sieht, was man eigentlich macht und 2. das ich koloriert habe, denn bislang lerne ich noch Zeichnen ohne Farbe. Also, irgendwie logisch, dass kein Kunstwerk dabei herauskommen konnte, noch sollte. Bemerkenswerte Ansprüche, die ihr da habt an Blogposts von mir. Ich fühle mich geehrt. Ich bin schon viel weiter fortgeschritten bei der Bildbearbeitung, aber das mit dem Zeichnen dauert eben noch.

Tipp: Objektivismus versus Sir Karl Popper

Ich habe eine ausführliche und sorgfältige Kritik an der Philosophie von Sir Karl Popper gelesen, die ich weiterempfehlen möchte:

http://www.libertarian.co.uk/lapubs/philn/philn037.pdf

(Der Nachfolge-Essay: http://www.libertarian.co.uk/lapubs/philn/philn065.htm)

Der Essay enthält leider anfangs ein schwaches Argument, nämlich dass Popper häufig “Ich glaube, dass…” schreibt, obwohl er nicht “an den Glauben glaubt”, wie er bemerkt. Nun, hier sind unterschiedliche Konnotationen gemeint – der Begriff bedeutet einmal eine Meinungsäußerung und ein anderes Mal blinden Glauben. Man sollte sich von dieser einen Schwäche jedoch nicht ablenken lassen. Die Kritik ist insgesamt sehr aufschlussreich. Der Autor Nicholas Dykes zeigt auf, dass Popper trotz seiner anderslautenden Beteuerungen selbst zum Idealismus, Determinismus und Subjektivismus neigt und außerdem seinen eigenen Fallibilismus nie auf sich selbst anwendet (seine eigene Methode nie der kritischen Prüfung unterzieht). Continue reading